Die vier Cluster der Psychotherapie

Psychotherapiegesetz (2024)

Im bisherigen Psychotherapiegesetz (1990) war es üblich, Methoden der Psychotherapie zu unterscheiden. In Österreich waren zuletzt 23 Psychotherapie-Methoden zugelassen. Im neuen Psychotherapiegesetz (2024), das mit 1.1.2025 in Kraft trat, gibt es diese Methodendifferenzierung nicht mehr, stattdessen werden jetzt vier Cluster der Psychotherapie unterschieden, nämlich:

  • Humanistische Therapie,
  • Psychoanalytisch-psychodynamische Therapie,
  • Systemische Therapie und
  • Verhaltenstherapie.

Die korrekte Berufsbezeichnung von eingetragenen Psychotherapeut:innen lautet daher z.B.: "Psychotherapeut (Humanistische Therapie)" oder "Psychotherapeutin (Psychoanalytische-psychodynamische Therapie)". Das Gesetz erlaubt es, die erlernte Methode nach einem Schrägstrich hinzuzufügen, also etwa: "Psychotherapeut (Humanstische Therapie/Integrative Gestalttherapie)". Das ist jedoch nicht zwingend erforderlich.

Die vier Cluster

Im §7 des neuen Psychotherapiegesetzes werden die vier Cluster explizit benannt und aufgeführt, welchem Cluster die bisherigen Methoden zugeordnet werden.

Humanistische Therapie
  1. Existenzanalyse
  2. Existenzanalyse und Logotherapie
  3. Gestalttheoretische Psychotherapie
  4. Integrative Gestalttherapie
  5. Integrative Therapie
  6. Personzentrierte Psychotherapie (Klientenzentrierte, Personenzentrierte Psychotherapie)
  7. Psychodrama
Psychoanalytisch-Psychodynamische Therapie
  1. Analytische Psychologie
  2. Autogene Psychotherapie
  3. Daseinsanalyse
  4. Dynamische Gruppenpsychotherapie
  5. Gruppenpsychoanalyse
  6. Hypnosepsychotherapie
  7. Individualpsychologie
  8. Katathym Imaginative Psychotherapie
  9. Konzentrative Bewegungstherapie
  10. Psychoanalyse/Psychoanalytische Psychotherapie
  11. Psychoanalytisch orientierte Psychotherapie
  12. Transaktionsanalytische Psychotherapie
Systemische Therapie
  1. Systemische Familientherapie
  2. Neurolinguistische Psychotherapie
Verhaltenstherapeutische Therapie

Verhaltenstherapie

Kurzbeschreibung der Cluster

Im Wesentlichen unterscheiden sich die einzelnen Therapie-Cluster durch das dahinterliegende Menschenbild und durch das Setting, wie etwa die Frequenz der Sitzungen pro Woche oder Einzel-, Paar- oder Familiensetting.

So betont die Humanistische Therapie das positive Potenzial des Menschen und seine Fähigkeiten zur Selbstverwirklichung. Der Mensch wird als freies und verantwortungsbewusstes Wesen gesehen, das nach Sinn und Wachstum strebt. Die humanistische Psychotherapie ist ressourcenorientiert, setzt also stark auf bereits gefundene Bewältigungs- und Lösungsmöglichkeiten und versucht diese zu erweitern und auszubauen. Die meisten humanistischen Therapeuten arbeiten mit einer Sitzung pro Woche, meist im Einzel- oder Gruppensetting.

Die Psychoanalyse sieht den Menschen als ein Wesen, das von unbewussten Trieben und Konflikten gesteuert wird. Frühe Kindheitserfahrungen prägen die Persönlichkeit und können zu psychischen Problemen führen. Das Ziel der Therapie ist es, unbewusste Konflikte bewusst zu machen und zu verarbeiten. In den psychoanalytisch-psychodynamischen Methoden sind oft mehrere Sitzungen pro Woche üblich. Die klassische Psychoanalyse arbeitet heute meist mit vier Sitzungen pro Woche.

In der Systemischen Therapie wird der Mensch als Teil eines sozialen Systems betrachtet, das ihn beeinflusst und von ihm beeinflusst wird. Psychische Probleme werden als Ausdruck von Störungen im System verstanden. Das Ziel der Therapie ist es, die Beziehungen im System zu verbessern und neue Lösungen zu finden. Systemische Therapeuten arbeiten oft mit deutlich weniger Sitzungen als andere Therapierichtungen. 14-tägige oder noch seltenere Termine kommen hier häufiger vor. Außerdem arbeiten Systemische Therapeuten öfter mit Paaren oder ganzen Familiensystemen.

Die Verhaltenstherapie sieht den Menschen als ein Wesen, dessen Verhalten durch Lernprozesse geprägt ist. Psychische Probleme werden als erlernte Verhaltensmuster betrachtet. Das Ziel der Therapie ist es, unerwünschte Verhaltensmuster zu verlernen und neue, hilfreiche Verhaltensweisen zu erlernen. Auch hier sind oft wöchentliche Sitzungen üblich.